Die Wegscheidbrücke – ein Graus für Radfahrer und Fussgänger

Traunstein wird durch die Bahnlinie München-Salzburg in zwei Hälften geteilt. Es gibt nur wenige Stellen an denen die Bahnlinie überquert werden kann. Eine vielbefahrener Übergang ist die Wegscheidbrücke. Hier kommen vier Straßen zusammen. Auch als Radfahrer kann man diese Kreuzung oft nicht umgehen.

Luftbild. Rote Linie: Radstreifen auf der Fahrbahn. Rotgepunktete Linie: gemeinsamer Rad/Fussweg. Quelle: Google Maps

Luftbild. Rote Linie: Radstreifen auf der Fahrbahn. Rotgepunktete Linie: gemeinsamer Rad/Fussweg.
Quelle: Google Maps

Häufig hört man Klagen von Autofahrern über die Verkehrssituation an dieser Brücke. Diese Klagen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Die Verkehrsführung ist doch für den Autoverkehr perfekt optimiert.

Sehr lange Strecken vor der Brücke verlaufen bereits zweispurig. Die Ampelschaltung wird an die aktuelle Verkehrssituation angepasst. Länger als eine Ampelphase muss man eigentlich selten warten.

Vollkommen auf der Strecke bleibt jedoch der Rad- und der Fussverkehr.

Situation für Fussgänger

An der Ostseite der Brücke sind die Bürgersteige so hoch, dass man diese mit Kinderwagen, Kickboard oder Gehwagen nicht sinnvoll nutzen kann. Absenkungen fehlen dort völlig.

Absenkung an der falschen Stelle; keine Absenkung auf der Ostseite.

Absenkung an der falschen Stelle; sehr hoher Bordstein auf der Ostseite der Brücke.

An  einigen Fussübergängen sind die Absenkungen an der falschen Stelle. Und im Bereich einer Absenkung ist auch noch ein Kanaldeckel in dem man mit Kinderwagen etc. hängen bleiben kann.

Kanaldeckel, hier bleibt man leicht hängen

Kanaldeckel, hier bleibt man leicht hängen

Gehsteige sind sehr schmal und z.T. in schlechtem Zustand.

Sehr schmaler Gehsteig

Sehr schmaler Gehsteig.

Die Ampelschaltung für Fussgänger sind extrem kurz . Und viele Autofahrer fahren sehr schnell, um noch das Ende von Grünphasen zu erwischen.

 Situation für Radfahrer

Radwege und Radstreifen (soweit vorhanden) enden abrupt vor der Kreuzung.

Ende des Rad/Fusswegs an der Chiemseestraße

Ende des Rad/Fusswegs an der Chiemseestraße

Die Gehsteige sind zu Recht für Radfahrer nicht freigegeben, da sie viel zu schmal sind für gemischten Rad- und Fussverkehr. Viele Radfahrer trauen sich aber nicht in den fliesenden Autoverkehr und fahren trotzdem auf den Gehsteigen. Dies führt wiederum zu Konflikten mit dem Fussgängern.

Auf der Fahrbahn fühlen sich Radfahrer zwischen den Fahrzeugen unsicher. Und wer nicht aufpasst wird auf der Brücke schnell mal abgedrängt.

Was bringt die Zukunft?

Alles was ich hier schreibe, ist natürlich bekannt und wird schon lange diskutiert. Seit Jahren gibt es Pläne die Wegscheidbrücke durch eine neue Lösung z.B. einen Kreisverkehr auf einer Brücke zu ersetzen. Dies scheitert jedoch bisher an den hohen Kosten und der schwierigen Durchführung (laufender Bahnverkehr, Hochspannungsleitungen, viele Beteiligte).

Bis es zu einer neuen Lösung kommt, wird es noch viele Jahre dauern. Falls es dazu kommt hoffe ich, dass der Rad- und Fussverkehr von Anfang an vernünftig mit betrachtet wird. Im Falle eine Kreisverkehrslösung sollte eine einspurige Zuführung ausreichend sein und damit genügend Platz für Radspuren und Gehsteige sein.

Was kann man Radfahrern empfehlen?

Wer mit dem Rad über die Wegscheidbrücke fährt, sollte auf der Fahrbahn fahren. Die Gehsteige sind nicht für den Radverkehr. (Ausnahme sind natürlich Kinder) Wichtig ist dabei, dass man als Radfahrer für die Autofahrer berechenbar und erkennbar ist. Auf keinen Fall sollte man sich an den Rand der Fahrbahn abdrängen lassen. Das führt nur zu gefährlichen Überholmanövern. Wer die Wegscheidbrücke diagonal überquert sollte sich mittig vor den Autos aufstellen. Auf der Brücke ist kein Platz zum Überholen und das sollte man den Autofahrern auch deutlich durch die eigene Fahrweise zeigen.

Und je mehr Fahrradfahrer auf der Fahrbahn unterwegs sind, desto aufmerksamer werden Autofahrers fahren.

Sehr empfehlen kann ich hier noch die Seite die 10 Gebote des sicheren Radfahrens.

http://bernd.sluka.de/Radfahren/10Gebote.html

Was könnte die Stadt tun?

Da sich die bauliche Situation nicht so schnell ändern lässt, sollte man trotzdem darüber nachdenken, was für Fussgänger und Radfahrer verbessert werden könnte.

Vorschläge:

  • längere Grünphasen für Fussgänger
  • Zeitversetzte Grünphasen für Fussgänger ohne Autoverkehr
  • Tempo 30 im Bereich der Kreuzung
  • Absenkung der Gehsteige an den Übergängen
  • durchgehende Radspuren auf der Fahrbahn in der Chiemseestraße und den anderen Straßen
  • Zurücksetzen der Haltelinie für KFZs und davor Radaufstellstreifen (siehe Grafik)
Radaufstellstreifen (Fertig).png
Beispiel für ein Radaufstellstreifen„Radaufstellstreifen (Fertig)“ von Mailtosap (Sascha Pöschl) – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC0 über Wikimedia Commons.

Wer noch Ergänzungen und Vorschläge hat, kann dies gerne als Kommentar hier hinterlassen.

 
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3 Kommentare

  1. Mein Kommentar zu den 10 Regeln für Radfahrer: Total ablehnen muss ich die Regel, dass Radler die Radwege nicht benutzen sollten. Das ist völlig richtig wo Radwege schlecht geführt sind, vor allem in den Innenstädten, wo immer wieder irgend etwas im Weg steht.
    Außerhalb dieser Bereiche sind Radfahrer auf der Autostraße aber eine große Belastung für die Autofahrer, weil von denen eine noch einmal größere Aufmerksamkeit abverlangt wird. Gerade an Wochenenden ärgere ich mich im Auto oft sehr über diese Radler.
    Und: es sind ja unter erheblichem Aufwand in den letzten Jahren viele Radwege extra für uns gebaut worden!

    1. Das sehe ich auch so.
      Diese Regel finde ich auch sehr undifferenziert. Fahrradwege grundsätzlich abzulehnen ist nicht sinnvoll.

      Es gibt im Landkreis einige gute Radwege neben den Landstraßen auf denen man gut und geschützt vorankommt. Leider enden diese oft abrupt.
      Auch kann ich die Regel, dass Hauptstraßen besser sind als Nebenstraßen nicht ganz nachvollziehen.
      Ansonsten finde ich die Regeln hinsichtlich selbstbewusster Fahrweise schon gut. Ich sehe oft Radfahrer die sich einschüchtern lassen und sich ganz an den Rand der Straße abdrängen lassen nur um nicht den Verkehr zu „behindern“.

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