Monat: August 2014

Diskussion über den Nutzen von Radwegen

Unter Radfahrern gibt es immer wieder  Diskussion was von Radwegen und Radfahrstreifen zu halten ist.

Einerseits vermitteln Radwege ein Gefühl von Sicherheit abseits des Autoverkehrs und können wenn Sie breit und vernünftig gebaut sind, für Radfahrer sehr angenehm sein. Gerade unsichere Radfahrer fühlen sich auf abgetrennten Radwegen sicherer.

Andererseits sind Radwege häufig eng, unübersichtlich und von sehr schlechter Qualität. Und gerade im Bereich von Kreuzungen wird es dann gefährlich, da Autofahrer die Radfahrer nicht im Blick haben und leicht übersehen.

Der Blogger Martin Randelhoff hat in seinem Blog „Zukunft Mobilität“ die Thematik sehr gut zusammengefasst:

 [Bitte um Diskussion] Bedeutung von Radwegen und Radfahrstreifen für die Radverkehrsförderung

Unter dem Artikel findet man auch viele interessante Diskussionsbeiträge zum Thema.

 

 

Neuer Radweg bei Matzing

Und noch ein neuer Radweg ist in diesem Sommer im Landkreis gebaut worden. Parallel zu Landstraße zwischen Matzing und Chieming.

Auf dieser Strecke mit dem Rad zu fahren war bisher eher abschreckend. Sehr viele LKWs sind hier von der Autobahn A8 in Richtung Traunreut unterwegs. Zudem ist die Strecke kurvig und unübersichtlich. Ich wurde auch schon wütend angehupt, wenn ich auf dieser Strecke (völlig legal) gefahren bin.

Ich bin den neuen Radweg abgefahren. Kommt man von Traunreut, weist noch kein Schild auf die neue Strecke hin. Man überquert am Bahnhof von Matzing die Bahnstrecke, vorbei an einem Holzwerk.

Beginn des neugeteerten Radweges

Beginn des neugeteerten Radweges

Danach wurde der bestehende Feldweg geteert. Diesem folgt man, bis man wieder an die Landstraße Matzing-Chieming gelangt.

Die Landstraße kommt in Sicht

Die Landstraße kommt in Sicht

Hier verläuft nun ein sehr breiter, glatter Radweg an der Straße entlang.

Parallel zur Landstraße

Parallel zur Landstraße

Nach einigen hundert Meter könnte man dann auf die Straße nach Litzlwalchen abbiegen. Über Litzlwalchen gibt es sehr schöne Strecke Richtung Nussdorf und weiter nach Traunstein.

Abzweigung nach Litzlwalchen

Abzweigung nach Litzlwalchen

Ich bin dann den neuen Radweg weitergefahren. Leider endet dieser sehr abrupt an einer Einmündung von einem Bauernhof.

Ende des Radweges

Ende des Radweges

 

Ich bin  wieder gezwungen auf der Landstraße zu fahren.

Weiter auf der Straße ohne Radweg

Weiter auf der Straße ohne Radweg

Erst nach knapp einem Kilometer treffe ich wieder auf einen bestehenden Radweg. Dieser führt in Richtung Chieming. Er verläuft auf der linken Seite der Straße und ich bin ist gezwungen die Straße zu überqueren. In Sondermoning geht es nach 500m wieder zurück auf die rechte Seite. Entspanntes Fahrradfahren sind anders aus.

Fazit:
Für die Strecke Matzing Richtung Litzlwalchen ist der neue Radweg sehr hilfreich. Eine Beschilderung in Matzing in Richtung Litzlwalchen und Nussdorf wäre hilfreich.

Aktuell kann man den neuen Weg auf der Strecke Chieming-Matzing wegen des fehlenden Teilstücks nicht empfehlen. Es bleibt zu hoffen, dass das fehlende Teilstück Richtung Chieming noch gebaut wird, am besten durchgehend bis Sondermoning auf der rechten Seite. Zweimal die Straßenseite wechseln innerhalb eines Kilometers ist nervig.

 

Bernhard

Mit dem Radl auf der Wasserburgerstraße

Fast 80Mio. Euro hat die Umgehungsstraße um Traunstein die vor knapp 2 Jahren fertig gestellt wurde gekostet. (Chiemgau24). Sehr viel Geld.

Quelle: Open Street Map

Quelle: Open Street Map : Gelb: neue Umgehungsstraße, Roter Pfeil: dokumentierte Strecke

 

Umgehungsstraßen werden gebaut, damit Städte vom Durchgangsverkehr entlastet werden und dadurch das Leben in der Stadt angenehmer wird. Mal sehen wie die Situation für Radfahrer an der ehemaligen Durchgangsstrecke heute ist.

Ich fahre das erste Teilstück von der Stadtgrenze in Richtung Stadtmitte auf der Wasserburger Straße. Siehe roter Pfeil. Diese Strecke wird von vielen Radfahrern genutzt, die aus der Stadt Traunreut nach Traunstein mit dem Rad fahren. Umgehen lässt sich diese Strecke für viele Radfahrer nur sehr schlecht.

Ich komme aus dem Wald auf Höhe des Friedhofs und müsste nun eigentlich die Straße überqueren.

Einmündung bei  Friedhof

Einmündung bei Friedhof

Dumm nur, dass hier immer sehr viel Verkehr fließt, der häufig zu schnell unterwegs ist.  So einfach ist es nicht die Straßenseite zu wechseln und deshalb fahren viele Radfahrer erst einmal auf der falschen Seite weiter. Es kommt dann noch eine Verkehrsinsel, bei der man sein Glück nochmal versuchen kann.
Aber auch  an der Verkehrsinsel kommt man nicht gut über die Straße. Die Insel ist zu schmal für ein Rad und man endet direkt im Abbiegebereich der Kreuzung.

Hier kommt man auch nicht rüber

Hier kommt man auch nicht rüber

 

 

 

 

Also fahren die meisten Radfahrer auf der falschen Seite  weiter,  wie auch auf dem Foto. Auch hier kommt man nicht gut über die Straße hinüber, denn zusätzlich zu den beiden Fahrspuren und einer Abbiegespur gibt es auch noch eine „Beschleunigungsstreifen“ für die Abbieger aus der Kotzinger Straße. (im Bild ganz rechts.)

Ich habe die trotzdem die Seite gewechselt und werde dann gleich auf den Gehweg gezwungen.

Benutzungspflichtiger Rad und Fussweg

Benutzungspflichtiger Rad und Fussweg

Das blaue Schild bedeutet, hier muss ich auf der Geh- und Radweg fahren. Immerhin ist der Gehweg relativ breit und meisten frei von Fussgängern.

Auf Höhe der Straße aus dem Gewerbepark muss ich an einer Ampel ein gefühlte Ewigkeit lange warten.

An der Einmündung zum Gewerbegebiet

An der Einmündung zum Gewerbegebiet

Unterdessen fährt der Verkehr auf der Straße fröhlich weiter. Wäre ich doch auf der Straße geblieben.

Es geht weiter auf dem Rad/Fussweg. An der Ecke zu Eugen-Rosner-Straße komme ich jetzt in ein Dilemma.

Ende der Benutzungspflicht

Ende der Benutzungspflicht

 

 

Plötzlich ist die Radwegpflicht aufgehoben. (Blaues Fussgänger-Schild mit Fahrrad Frei). Ich dürfte wieder auf der Straße fahren. Nur wie soll ich mich hier in den fließenden Verkehr einreihen.

Also weiter auf dem Gehweg. Um die Ecke, schön langsam, weil sehr unübersichtlich und eng.

Viel zu eng zum radeln

Viel zu eng zum radeln

Und wieder heißt es warten an der Ampel. Auf der Straße wäre ich inzwischen wahrscheinlich schon in der Stadtmitte.

Wasserburger 7

 

Und wie soll es denn jetzt weitergehen? Vermutlich bei Grün über den Fussgängerüberweg und dann nach links über den Bushalteplatz. Auf dem Gehweg ist Radfahren verboten.

Am Ende des Bushalteplatzes fängt, dann tatsächlich wieder ein Radfahrstreifen an.

Beginn des Radstreifens

Beginn des Radstreifens

Diesem folge ich. Auf Höhe des Fahrradladen Schneider endet der Radstreifen schon wieder.

Ende des Radstreifens

Ende des Radstreifens

Grund ist eine Fussgängerinsel.  Wegen dieser Insel verengt sich die Fahrbahn soweit, dass für den Radstreifen kein Platz mehr ist. Hier kann es dann richtig brenzlig werden, wenn ein überholender Fahrzeugführer den Abstand zur Insel unterschätzt.

Das war es dann mit Fahrradstreifen. An der Straße entlang geht es dann weiter bis zur Bahnunterführung.

Man sieht also die Situation hat sich seit der Eröffnung der Umgehungsstraße nicht verbessert. Es mögen zwar weniger Lastwagen unterwegs sein, aber ein schnelles und sicheres Vorankommen ist für Fahrradfahrer immer noch nicht möglich. Es ist sehr schade, dass sehr viel Steuergeld in den Bau der Umgehungsstraße geflossen sind, in der Stadt selbst bisher nichts verbessert wurde.

Vorschläge:

  • eine vernünftige Lösung zum Überqueren der Straße beim Friedhof.
  • Entfernen des „Beschleunigungsstreifens“ an der Einmündung der Kotziger Straße. Dort wäre dann ja Platz für einen breiten Radstreifen.
  • Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht entlang des Gewerbegebietes. Für die Radfahrer ist die Straße hier auch nicht gefährlicher als im weiteren Verlauf. Und das Ende des Radweges an der Eugen-Rosner macht die Situation noch gefährlicher, als wenn man gleich auf der Straße fahren würde. Alternativ eine deutlich sichtbare und markierte Einmündung auf die Straße vor der Ampel
  • Durchgehender Radstreifen die gesamte Wasserburger Straße entlang.
  • Entfernung der Fussgängerinsel bei Radsport Schneider. Stattdessen Zebrastreifen oder Fussgängerampel.

Im nächsten Artikel fahre ich dann weiter Richtung Stadt.

Über Vorschläge und Diskussionsbeiträge in den Kommentaren würde ich mich freuen.

Video: Radverkehr in Kopenhagen

Wer wissen will, was man alles machen könnte um Radverkehr attraktiver zu machen, sollte sich umbedingt das folgende Video aus Kopenhagen anschauen.

Ein paar Beispiele aus dem Video:

  • Grüne Welle für Radfahrer
  •  superbreite Radwege
  •  Radbrücken über den Hafen.

Das Video strahlt so viel Lebensfreude aus und zeigt wie menschenfreundlich ein fahrradgerechte Stadt sein kann.

Davon sind deutsche Städte leider noch meilenweit entfernt.

Dauer: 7min. Sprache: englisch

Journey Around Copenhagen’s Latest Bicycle Innovations! from STREETFILMS on Vimeo.

Die Wegscheidbrücke – ein Graus für Radfahrer und Fussgänger

Traunstein wird durch die Bahnlinie München-Salzburg in zwei Hälften geteilt. Es gibt nur wenige Stellen an denen die Bahnlinie überquert werden kann. Eine vielbefahrener Übergang ist die Wegscheidbrücke. Hier kommen vier Straßen zusammen. Auch als Radfahrer kann man diese Kreuzung oft nicht umgehen.

Luftbild. Rote Linie: Radstreifen auf der Fahrbahn. Rotgepunktete Linie: gemeinsamer Rad/Fussweg. Quelle: Google Maps

Luftbild. Rote Linie: Radstreifen auf der Fahrbahn. Rotgepunktete Linie: gemeinsamer Rad/Fussweg.
Quelle: Google Maps

Häufig hört man Klagen von Autofahrern über die Verkehrssituation an dieser Brücke. Diese Klagen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Die Verkehrsführung ist doch für den Autoverkehr perfekt optimiert.

Sehr lange Strecken vor der Brücke verlaufen bereits zweispurig. Die Ampelschaltung wird an die aktuelle Verkehrssituation angepasst. Länger als eine Ampelphase muss man eigentlich selten warten.

Vollkommen auf der Strecke bleibt jedoch der Rad- und der Fussverkehr.

Situation für Fussgänger

An der Ostseite der Brücke sind die Bürgersteige so hoch, dass man diese mit Kinderwagen, Kickboard oder Gehwagen nicht sinnvoll nutzen kann. Absenkungen fehlen dort völlig.

Absenkung an der falschen Stelle; keine Absenkung auf der Ostseite.

Absenkung an der falschen Stelle; sehr hoher Bordstein auf der Ostseite der Brücke.

An  einigen Fussübergängen sind die Absenkungen an der falschen Stelle. Und im Bereich einer Absenkung ist auch noch ein Kanaldeckel in dem man mit Kinderwagen etc. hängen bleiben kann.

Kanaldeckel, hier bleibt man leicht hängen

Kanaldeckel, hier bleibt man leicht hängen

Gehsteige sind sehr schmal und z.T. in schlechtem Zustand.

Sehr schmaler Gehsteig

Sehr schmaler Gehsteig.

Die Ampelschaltung für Fussgänger sind extrem kurz . Und viele Autofahrer fahren sehr schnell, um noch das Ende von Grünphasen zu erwischen.

 Situation für Radfahrer

Radwege und Radstreifen (soweit vorhanden) enden abrupt vor der Kreuzung.

Ende des Rad/Fusswegs an der Chiemseestraße

Ende des Rad/Fusswegs an der Chiemseestraße

Die Gehsteige sind zu Recht für Radfahrer nicht freigegeben, da sie viel zu schmal sind für gemischten Rad- und Fussverkehr. Viele Radfahrer trauen sich aber nicht in den fliesenden Autoverkehr und fahren trotzdem auf den Gehsteigen. Dies führt wiederum zu Konflikten mit dem Fussgängern.

Auf der Fahrbahn fühlen sich Radfahrer zwischen den Fahrzeugen unsicher. Und wer nicht aufpasst wird auf der Brücke schnell mal abgedrängt.

Was bringt die Zukunft?

Alles was ich hier schreibe, ist natürlich bekannt und wird schon lange diskutiert. Seit Jahren gibt es Pläne die Wegscheidbrücke durch eine neue Lösung z.B. einen Kreisverkehr auf einer Brücke zu ersetzen. Dies scheitert jedoch bisher an den hohen Kosten und der schwierigen Durchführung (laufender Bahnverkehr, Hochspannungsleitungen, viele Beteiligte).

Bis es zu einer neuen Lösung kommt, wird es noch viele Jahre dauern. Falls es dazu kommt hoffe ich, dass der Rad- und Fussverkehr von Anfang an vernünftig mit betrachtet wird. Im Falle eine Kreisverkehrslösung sollte eine einspurige Zuführung ausreichend sein und damit genügend Platz für Radspuren und Gehsteige sein.

Was kann man Radfahrern empfehlen?

Wer mit dem Rad über die Wegscheidbrücke fährt, sollte auf der Fahrbahn fahren. Die Gehsteige sind nicht für den Radverkehr. (Ausnahme sind natürlich Kinder) Wichtig ist dabei, dass man als Radfahrer für die Autofahrer berechenbar und erkennbar ist. Auf keinen Fall sollte man sich an den Rand der Fahrbahn abdrängen lassen. Das führt nur zu gefährlichen Überholmanövern. Wer die Wegscheidbrücke diagonal überquert sollte sich mittig vor den Autos aufstellen. Auf der Brücke ist kein Platz zum Überholen und das sollte man den Autofahrern auch deutlich durch die eigene Fahrweise zeigen.

Und je mehr Fahrradfahrer auf der Fahrbahn unterwegs sind, desto aufmerksamer werden Autofahrers fahren.

Sehr empfehlen kann ich hier noch die Seite die 10 Gebote des sicheren Radfahrens.

http://bernd.sluka.de/Radfahren/10Gebote.html

Was könnte die Stadt tun?

Da sich die bauliche Situation nicht so schnell ändern lässt, sollte man trotzdem darüber nachdenken, was für Fussgänger und Radfahrer verbessert werden könnte.

Vorschläge:

  • längere Grünphasen für Fussgänger
  • Zeitversetzte Grünphasen für Fussgänger ohne Autoverkehr
  • Tempo 30 im Bereich der Kreuzung
  • Absenkung der Gehsteige an den Übergängen
  • durchgehende Radspuren auf der Fahrbahn in der Chiemseestraße und den anderen Straßen
  • Zurücksetzen der Haltelinie für KFZs und davor Radaufstellstreifen (siehe Grafik)
Radaufstellstreifen (Fertig).png
Beispiel für ein Radaufstellstreifen„Radaufstellstreifen (Fertig)“ von Mailtosap (Sascha Pöschl) – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC0 über Wikimedia Commons.

Wer noch Ergänzungen und Vorschläge hat, kann dies gerne als Kommentar hier hinterlassen.